Nicht versichert ist “das Hoffen, rechtzeitig wieder zu genesen.”

25 Okt 2014
justitia

Amtsgericht München Aktenzeichen 281 C 8097/10

Zehn Tage Moskau buchte ein Mann für sich und seine Ehefrau und sicherte die Reise über eine Reiserücktrittsversicherung ab. Etwa einen Monat später erkrankte er an einem epileptischen Anfall und musste sich mehrere Tage in einem Krankenhaus stationär behandeln lassen. Anschließend sei er als arbeits- und reisefähig von dort entlassen worden. Am Reisetag erlitt er einen erneuten epileptischen Anfall und musste die Reise daraufhin stornieren, was der Reiseveranstalter mit Stornokosten in Höhe von 80% berechnete. Diese wollte der Mann nun von seiner Reiserücktrittsversicherung erstattet bekommen. Zu Unrecht, wie das Amtsgericht München entschied.

“Zu hoffen, dass man rechtzeitig gesund würde, sei nicht versichert” so dass AG München
Der Reiseversicherer erstattete aus der Reiserücktrittsversicherung nur die Kosten, die die Stornierung der Reise gleich nach dem ersten epileptischen Anfall verursacht hätte. Der Versicherungsnehmer hätte die Reise in seiner Verpflichtung zur Schadensminderung sofort stornieren müssen. Die Unterlassung der Stornierung gleich nach dem ersten Anfall beurteilte der Reiseversicherer als “grob fahrlässig”, da die Grunderkrankung bekannt war und der Versicherungsnehmer wusste, dass er jederzeit erneut einen epileptischen Anfall erleiden könnte.

Der Versicherungsnehmer begegnete den Argumenten der Versicherung, er sei nach dem ersten Anfall als arbeits- und reisefähig entlassen worden und entgegnete zudem, folgte er den Argumenten der Versicherung, könne er ja sonst gar nicht mehr reisen.

Das Gericht gab dem Reiseversicherer Recht. In der Begründung führte es an, dass dem Kläger von den Ärzten nach dem ersten Anfall keine Heilung bescheinigt worden war, die Grunderkrankung also weiterhin bestand und dem Kläger dies bekannt war. Er hätte in seiner Schadensminderungspflicht die Reise sofort nach dem ersten Anfall stornieren müssen. “Die Hoffnung auf rechtzeitiges Wiedergenesen sei nicht versichert”. Das Risiko mit einer bestehenden Vorerkrankung, die jederzeit wieder ausbrechen kann, muss der Versicherte selbst tragen.

Unser Tipp dazu: Reden Sie mit dem Versicherer Ihres Vertrauens bei einer Erkrankung so zeitnah wie möglich und lassen sich von ihm zur Stornierung beraten.


Bitte beachten Sie, dass diese Seite keine Rechtsberatung ist und unsere subjektive Sichtweise reflektiert. Wir empfehlen in jedem Fall bei Rechtsfragen professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

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