Reiserücktritt bei Komplikationen in der Schwangerschaft

20 Nov 2014
justitia

Amtsgericht München Aktenzeichen: 224 C 32365/11

Treten in der Schwangerschaft unerwartet Komplikationen auf, muss die Reiserücktrittsversicherung die entstandenen Stornokosten erstatten. So entschieden vom Amtsgericht München am 03.04.2012. Häufige Fragen zum Thema Schwangerschaft und Reiserücktrittversicherung an uns, zeigen, dass es hier immer wieder zu Unsicherheiten kommt. Generell lässt sich dazu Folgendes feststellen: Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Sie rechtfertigt keinen Reiserücktritt. Treten in der Schwangerschaft jedoch plötzlich unerwartete Komplikationen ein, so kann dies durchaus einen Rücktrittsgrund darstellen. Dies entschied das AG München im folgenden Fall:

Im Februar 2011 buchte eine Familie eine Griechenlandreise. Bei der Buchung der Reise befand sich die Frau bereits in der Schwangerschaft, die bis dahin jedoch ohne Komplikationen verlief. Etwa einen Monat später setzten vorzeitige Wehen ein, worauf die zuständige Ärztin Bedenken wegen der bevorstehenden Reise äußerte und von der Reise abriet.

Das Ehepaar stornierte daraufhin die Reise und verlangte vom Reiseversicherer die Erstattung der Stornokosten. Dieser lehnte die Erstattung mit der Begründung ab, die Schwangerschaft sei bereits zum Zeitpunkt der Reisebuchung bekannt gewesen und damit keine im Sinne der Versicherungsbedingungen “unerwartete schwere Erkrankung”.

Reiserücktrittversicherung musste zahlen

Die verhandelnde Richterin gab dem Ehepaar mit der Begründung Recht, eine Schwangerschaft sei keine “unerwartete schwere Erkrankung”, plötzliche schwere Komplikationen während dieser Zeit aber schon. Das Auftreten von vorzeitigen Wehen, die zum Zeitpunkt der Reisebuchung nicht zu erwarten waren, sei als “unerwartete schwere Erkrankung” im Sinne der Versicherungsbedingungen zu werten, da die Schwangerschaft bis zum Zeitpunkt der Reisebuchung und dem Abschluss der Reiserücktrittsversicherung ohne Komplikationen verlief.

Fazit:
Aus unserer Sicht gab die Richterin beiden Recht:
Dem Versicherer, in dem sie bestätigte, eine Schwangerschaft sei keine “unerwartete schwere Krankheit”.
Den Reisenden, in dem sie bestätigte, plötzlich auftretende Komplikationen während der Schwangerschaft, können für den erstattungsfähigen Reiserücktritt ausschlaggebend sein.


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