Reiserücktritt wegen Angst ist nicht versichert

18 Okt 2014
justitia

Angst vor Krankheiten

AG München vom 08.11.2006 Aktenzeichen 262 C 20636/06

Das Amtsgericht München entschied einen Fall in dem Urlauber ihre Reiserücktrittsversicherung in Anspruch nehmen wollten, weil sie ihre Reise auf Grund von Angst vor einem grassierenden Virus im Urlaubsland stornierten. “Angst ist nicht versichert”, so die Münchener Richter. Die Reiserücktritts Versicherung muss nicht eintreten, wenn dem Urlauber vor der Buchung seiner Reise besondere Gefahren am Urlaubsort nicht bekannt seien. Das “allgemeine Lebensrisiko” ist durch die Reiserücktrittskostenversicherung nicht abgedeckt – das muss jeder Urlauber selbst tragen.

Der Kläger buchte eine Reise nach Mauritius, die 10 Tage währen sollte. Um diese gegen Stornokosten  abzusichern, schloss er eine Reiserücktrittsversicherung ab. Kurz nach Buchung der Reise erfuhr die ebenfalls zur Reise angemeldete Ehefrau, dass am Urlaubsort das durch Mücken übertragene Chikunguya Virus grassiert. Sie war dadurch so verängstigt, dass sie zeitweilig an einer “vorübergehenden psychischen Störung” litt. Die Reise wurde storniert und vom Reiseversicherer die Erstattung der Stornokosten verlangt. Die Richter urteilten, dass es irrelevant sei, ob es sich um eine “unerwartet schwere Erkrankung” gehandelt hätte, da die Kläger in einem Schreiben an die Versicherung die Angst der Ehefrau als Grund für den Reiserücktritt angegeben hätten. Die Reiserücktrittsversicherung müsse nicht eintreten, wenn den Reisenden vor der Reisebuchung besondere Gefahren, die am Urlaubsort auftreten können, nicht bekannt seien – dies gehöre zum allgemeinen Lebensrisiko, was jeder selber tragen müsse.


 

 Angst vor Terror

justitiaAG Bonn Aktenzeichen 18 C 47/98

Angst vor Terroranschlägen ist nicht unbedingt ein Rücktrittsgrund. Erfährt man vor der Reise, das am Urlaubsort ein terroristischer Anschlag verübt wurde und storniert daraufhin seine Reise, muss die Reiserücktrittsversicherung nicht zwingend zahlen.

Erst wenn die in den Versicherungsbedingungen als höhere Gewalt eingestufte Gefahr vorliegt, wie Krieg oder Kriegsgefahr oder durch innere Unruhen hervorgerufene instabile Verhältnisse im Zielland kann die Reise storniert werden. Ist der Grund für die Stornierung ein einzelner terroristischer Anschlag, reicht dies nicht, um den Reiseversicherer in die Pflicht zu nehmen.

Unser Tipp: Konsultieren Sie den Reiseversicherer vor der Stornierung – das klärt klar, was geht und was nicht. Gute Chancen haben Sie, wenn es nach der Reisebuchung für das Zielland eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gibt.


 

 Angst vor defektem Flugzeug

justitiaAmtsgericht Düsseldorf Aktenzeichen 46 C 15329/98
Das Amtsgericht Düsseldorf entschied einen Fall, in welchem ein Reisender seine Reise storniert hatte, weil sein Flieger kurz nach dem Start wegen eines Defektes umkehren musste und er nun so verängstigt war, dass er nach der Reparatur mit dieser Maschine nicht weiter fliegen wollte. Die Richter argumentierten, man könnte dann ja ein einmal repariertes Flugzeug nie fliegen lassen. Sie gaben dem Reiseversicherer Recht und versagtem dem Nichtgereisten, die Erstattung der Stornokosten.

 

 

 


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